Spiel auf fremdem Sofa geguckt, nach Hause gekommen, durchgeschnauft. Auf dem Heimweg in der U-Bahn umringt von CSD-Partyern, Fanmeilern, Fête de la Musiquern. In jeder Kombination. Knutschende dralle Lesben mit „Sommermärchenfortsetzer“-Aufdruck auf dem T-Shirt und 19-jährige Möchtegern-Hools, die zaghaft versuchen, ein S-Bahn-Hüpfen anzusetzen. Zu betrunken, um die Sache korrekt anzugehen. Außerdem waren wir ja nicht in der S-Bahn … Gary stellt die Gleichung auf, je weniger IQ umso größere Klappe. Als die Knapp-Über-Teenager-Alter Bande johlend am Alexanderplatz aussteigt, stimmt eine der Lesben einen launigen Stadiongesang an: „Auf Wiedersehen, Auf Wiedersehen.“ Zumindest war die anscheinend schon mal in einem Fußballstadion.
Heute die Nachlese. Im Radio, in der Presse Kritik an der deutschen Mannschaft. Zu schlapp, fehlende Ordnung, Jogi stellt die Falschen auf (Hummels) und wechselt zu spät (Schweinsteiger) und falsch (Mustafi). Keiner scheint bemerkt zu haben, dass da noch ein anderes Team auf dem Platz stand, das richtig gut Fußball spielte. Der verpasste Sieg der deutschen Mannschaft mag auch mit den Qualitäten des Gegners zu tun haben, aber es fällt hierzulande traditionell schwer, das auch nur zu erkennen. Fatale Mischung aus euro- bzw. germanozentrischer Überheblichkeit und der deutschen Tendenz zu meckern, wenn nicht alles perfekt war. Ich habe ein – zumindest in der 2. Halbzeit – sehr spannendes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten und tollen Toren gesehen, das zwei Sieger verdient gehabt hätte. Klose rules! Und wenn er sich beim (leicht missglückten, wie süß!) Torsalto das Knie zerschmettert hätte, das wär’s trotzdem wert gewesen. Schweini mag nicht top in Form sein, formierte aber das Mittelfeld neu und brachte Ruhe in den zwischenzeitlichen Hühnerhaufen. Neuer überwand sich um ein Haar selbst. Hätte DER Aufreger werden können, aber da war ja so viel los, man bemerkte es kaum.
Kurz nach dem 2:2 wendet sich Zoe S. (8) zu mir um, fragt, glaubst du an Gott, dreht sich um und schläft ein. Leon S. (5) meint, er hätte ja nach dem ersten deutschen Tor gleich noch eins geschossen. Erzählt zum gefühlten hundertsten Mal von seinen zwei tollen Toren heute Nachmittag in der Kita. Nach dem Spiel schnappt er sich einen Fußball und versucht, von einem Zimmer ins andere zu schießen. Der dazugehörige Vater und Fußballkumpel kann sich zu keiner erzieherischen Maßnahme mehr durchringen, starrt fassungslos auf den Fernseher und versucht, mir Özil zu erklären. Der guatemaltekische Cousin messaged via facebook aus den USA, er habe eben auf ESPN die Försterei mit ihren Sofas gesehen.
Wir wenden uns schon mal vorsorglich dem kommenden Duell Deutschland-USA zu, das für viele nicht leicht werden wird. Klinsi hat schon angekündigt, beide Hymnen mitsingen zu wollen, was sicher hüben wie drüben zu einiger Verstimmung sorgen wird. Und die Sache auch nicht lösen. Donnerstagabend ca. 22:00 finden sich womöglich einige vor innerem Konflikt implodierte Körper auf den Sofas dieser Stadt …

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Jörg Troester
Gast
Jörg Troester

Was kann ich dafür, wenn die Ghanaer nichtst von Taktik verstehen. Dann hätten sie unsere aber nicht zerstören müssen. Und gerade höre ich, wir brauchen gegen Klinsi nur unentschieden spielen, um beide das Weiterkommen zu sichern. „Ich denkek mal“ das werden sie doch hinkriegen.

Kompetenz
Admin

…du hast die Pillen wiedergefunden, oder?